Veränderung beginnt selten mit etwas Großem. Meistens beginnt sie mit einer kleinen Entscheidung, einem kleinen Anstoß. Wahre Veränderung ist oft mit Aufwand verbunden, mit Zeit, Kraft oder Überwindung. Allein um alte Gewohnheiten abzulegen, braucht es meist mehrere Anläufe, bis sich neue Routinen wirklich festigen.
Im Rahmen des Schulprojekts sollten wir uns für einen bestimmten Zeitraum bewusst ein Projekt aussuchen, das eine Veränderung in unserem Alltag darstellt. Das Ausmaß war uns freigestellt. Mir war schnell klar, wofür ich diese Zeit nutzen wollte, nämlich für etwas, das in letzter Zeit kaum noch Platz hatte. Neben Arbeit, Alltag und Verpflichtungen fällt es oft schwer, Raum für Hobbys zu finden, selbst dann, wenn man sie eigentlich liebt.
Mein Projekt war es, mir im Alltag wieder bewusst Platz für Kreativität zu schaffen. Eine Woche lang habe ich mir vorgenommen, jeden Tag zu zeichnen. Konkret bedeutete das, täglich einen Character-Sketch in Farbe zu erstellen. Nicht mit dem Anspruch auf Perfektion, sondern mit dem Ziel, Kreativität wieder fest in meinen Alltag zu integrieren und etwas Produktives mit echtem Mehrwert für mich zu tun.
Zwischen Traum und Realität
Ich bin ein kreativer Kopf, der es liebt zu erschaffen. Ich schreibe, zeichne, bastle und beschäftige mich mit allem, was mir erlaubt, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Besonders das Entwickeln von Charakteren und deren Design gehört zu meinen größten Leidenschaften. Mich faszinieren Formen, Details und die Idee, Figuren nicht nur zu zeichnen, sondern ihnen Bedeutung, Geschichte und Persönlichkeit zu geben.
Unter anderem arbeite ich an einem eigenen Manga namens Shanokai. Mein Wunsch ist es, irgendwann etwas in der Welt zu hinterlassen, in dem mein ganzes Herzblut steckt. Etwas, das andere Menschen bewegt, inspiriert oder berührt. Dabei ist Shanokai vor allem ein Herzensprojekt. Ein persönlicher Rückzugsort. Etwas, das nicht funktionieren muss, sondern mir Raum gibt, Ideen, Gedanken und Emotionen auszudrücken. Sollte daraus irgendwann etwas Größeres entstehen, wäre das für mich ein Bonus, nicht der eigentliche Zweck.

Doch genau dieser Anspruch braucht Zeit. Zeit, die im Alltag oft fehlt. Häufig arbeite ich nur sporadisch an meinen Zeichnungen, selten am Wochenende und noch seltener unter der Woche nach der Arbeit. Ich bin kein schneller Zeichner. Oft sitze ich mehrere Stunden an einem Motiv, weil ich Details suche und Dingen bewusst Bedeutung verleihen möchte. Gleichzeitig ist genau dieser Prozess etwas, das mich zur Ruhe bringt.
Ein kleiner Strich jeden Tag
Eine Woche lang habe ich täglich gezeichnet. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen insgesamt die 12 Völker aus Shanokai zu zeichnen und jeden Tag einen vollständigen Charakter-Sketch anzufertigen. Dieses Ziel habe ich nicht erreicht. Es sind weniger Charaktere entstanden, als ich geplant hatte ursprünglich sieben, und trotzdem bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Denn es hat sich gezeigt, dass Veränderung nicht darin liegt, ein Ziel perfekt zu erfüllen, sondern dranzubleiben. „Wenn im Beitrag mehr Bilder (bis zu 12) hochgeladen sind, heißt das, dass ich das Projekt auch nach der Woche nachträglich eigenständig weitergeführt habe.“
Insgesamt habe ich über dieser Woche 20 Stunden gezeichnet, im Schnitt 3 Stunden täglich.
Es gab Tage mit viel Output, Tage, an denen alles leicht von der Hand ging, und Tage, an denen es sich zäh und anstrengend angefühlt hat. Zeichnen wurde in dieser Woche zu meinem Safe Space. Etwas, das mich runtergeholt und mir geholfen hat, stressige Tage zu verarbeiten. Gleichzeitig entstand jeden Tag etwas Eigenes, das man teilen konnte. Der Austausch, Reaktionen, Feedback und auch Kritik wirkten motivierend und machten den nächsten Tag oft ein kleines Stück leichter.
Unabhängig vom Ergebnis war jeder kleine Strich ein Schritt nach vorn. Genau darin lag für mich die eigentliche Veränderung. Beständigkeit, unabhängig von Motivation. Kreativität bekam wieder einen festen Platz im Alltag, und Ideen hatten endlich wieder einen Raum, in den sie fließen konnten.












Fazit meines Projekts
Das tägliche Zeichnen hat mir verdeutlicht, wie sehr mir Kreativität im Alltag gefehlt hat. Nicht als Pflicht oder Leistung, sondern als Ausgleich, als Rückzugsort und als Möglichkeit, Gedanken und Eindrücke zu verarbeiten. Gerade in stressigen Phasen wurde mir bewusst, wie schnell dieser kreative Teil in den Hintergrund rückt und wie stark sich das auf mein Wohlbefinden auswirkt. Durch das Projekt habe ich gelernt, diesen Aspekt wieder bewusster wahrzunehmen und ihm einen festen Platz einzuräumen.
Auch das Nichterreichen meines ursprünglichen Ziels war eine wichtige Erkenntnis. Ich habe mir mehr vorgenommen, als am Ende umsetzbar war, und trotzdem ist etwas Wertvolles entstanden. Statt Frust blieb Zufriedenheit, weil der Fokus nicht auf der Anzahl der Ergebnisse lag, sondern auf dem Prozess selbst. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Beständigkeit wichtiger ist als Perfektion und dass Veränderung auch dann stattfindet, wenn nicht alles nach Plan läuft.
Insgesamt hat mir das Projekt geholfen, meinen eigenen Umgang mit Zeit, Motivation und Kreativität zu reflektieren. Ich gehe mit dem Bewusstsein daraus hervor, dass kleine Routinen eine große Wirkung haben können, wenn man ihnen Raum gibt. Die Woche hat mir nicht nur neue Arbeiten beschert, sondern auch eine neue Perspektive darauf, wie ich Kreativität langfristig in meinen Alltag integrieren möchte. Genau darin liegt für mich der nachhaltige Wert dieses Projekts.
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