
Manchmal führt das Leben uns auf Wege, die wir für richtig hielten, bis wir eines Tages merken, dass wir noch die Möglichkeit haben, unsere Richtung zu ändern. Genau das ist mir passiert.
Ich bin 40 Jahre alt und fange neu an, und ich möchte ein bisschen meine Geschichte erzählen. Mein Name ist Patricia, und ich lebe seit mehreren Jahren in Deutschland. Ich komme aus Venezuela und bin mit meinem Ehemann nach Deutschland gekommen, um ein neues Leben zu beginnen, in einem ruhigen Land, weit weg von vielen Problemen in meinem Heimatland.
Deutschland war für uns ein Land voller Chancen. Wir haben beide stabile Jobs mit festen Verträgen in guten deutschen Firmen gefunden. Obwohl alles gut aussah, hatte ich immer das Gefühl, dass mir etwas im Leben fehlt.
Ich mochte meinen Job und meine Firma, aber am Ende war es nur ein Job, zu dem ich von Montag bis Freitag gegangen bin. Ich habe immer 100 % gegeben, hatte ein eigenes Team und eine verantwortungsvolle Position. Trotzdem hat etwas gefehlt.
Alles hat sich im Jahr 2023 verändert, als ich Mutter wurde. Mein Sohn Lando kam in mein Leben, und seine Geburt hat meine Sicht auf das Leben komplett verändert. Ich habe Zeit anders gesehen, und Dinge, die mich früher beschäftigt haben, waren plötzlich nicht mehr so wichtig.
Von einem Tag auf den anderen wird man ein Vorbild für einen kleinen Menschen, und das ist sehr überwältigend und voller Verantwortung.
Ich habe eine längere Elternzeit genommen, weil ich mich gut um mein Kind kümmern wollte. In dieser Zeit hatte ich viel Zeit, über mein Leben und meinen Job nachzudenken. Als es Zeit war, wieder zu arbeiten, habe ich gemerkt, dass ich diesen Weg nicht mehr weitergehen möchte.
Das Leben ist kurz, und ich möchte nicht zu den Menschen gehören, die sich später über Dinge ärgern, die sie nicht getan haben. Ich möchte meinem Sohn zeigen, dass man aus der Komfortzone herausgehen kann und dass es sich lohnt, für seine Wünsche zu kämpfen und keine Angst die Entscheidungen bestimmen zu lassen.
Einen neuen Weg zu beginnen, besonders in meinem Alter, macht Angst. Die große Frage war: Was mache ich jetzt? Gehe ich zurück zur Universität? Was soll ich studieren? Ich wusste, was ich nicht wollte, aber nicht, was ich wollte. Das war sehr überwältigend.
Aber mit der Unterstützung meines Mannes habe ich langsam meinen Weg gefunden. Alles hat zufällig angefangen: Eines Tages war ich in der Kirche und habe eine Frau kennengelernt, die beim AFA arbeitet. Wir haben gesprochen, und sie hat mir erzählt, dass ich eine Umschulung machen kann, die vom AFA finanziert wird. Ich wusste zuerst nicht, was das ist oder wie es funktioniert. Zu Hause habe ich sofort im Internet recherchiert und noch am selben Tag einen Termin bei einer Beraterin gemacht.
Kurz gesagt: Alles wurde mir genehmigt. Vor der Umschulung sollte ich einen Vorbereitungskurs machen, weil ich noch nicht wusste, welchen Beruf ich wählen sollte. Die Beraterin hat mir erklärt, dass ich dort Tests machen werde und Beratung bekomme.
Ich habe den Kurs begonnen und die Tests gemacht, und es lief gut. Sie sagte mir, dass ich grundsätzlich alles studieren kann, je nach Ergebnis.In einem Gespräch mit meiner Berufscoachin habe ich über mich gesprochen und darüber, was mir wirklich gefällt. Und immer wieder kam das Kreative Thema vor.
Dann sagte sie zu mir: „Möchtest du nicht Mediengestalterin werden?“
Ich konnte nicht glauben, dass ich selbst nicht daran gedacht habe. Es war die ganze Zeit vor mir. Ich bin schon immer kreativ gewesen: Ich mache gerne Handarbeit, arbeite am Computer, gestalte Dekorationen für Hochzeiten von Freundinnen, Piñatas, Einladungen und Schilder. Ich liebe Farben und Kontraste und das Gestalten.
Während des Vorbereitungskurses konnte ich auch Praktika machen. Ich habe eine gute Bewerbung geschrieben und mehrere Praktika bekommen. Am Ende habe ich drei Praktika gemacht, in Firmen, die mich am meisten interessiert haben, um besser zu verstehen, wie der Beruf funktioniert.
Ich erinnere mich an meinen ersten Tag als Praktikantin im Bereich Mediengestaltung. Es war nicht mein Bereich, ich wusste nichts und war sehr nervös. Aber es war eine sehr schöne Erfahrung. Die Firmen haben mir viel Freiheit gegeben, Materialien zu benutzen, Farben zu mischen und zu gestalten. Das Feedback in allen drei Firmen war sehr positiv.
Nach zwei Monaten Praktikum wusste ich, dass das mein Weg ist. Am Ende meines Vorbereitungskurses habe ich mit der Firma gesprochen, die mir am besten gefallen hat, und gefragt, ob ich meine Umschulung dort machen kann. Die Antwort war ein klares Ja.
Und jetzt bin ich hier und beginne einen neuen Weg.
Zum Schluss möchte ich sagen: Für alle, die das lesen – es ist nie zu spät. Nur du kannst dein Leben ändern. Nichts ist festgeschrieben. Lass nie zu, dass Angst deine Entscheidungen bestimmt. Das Leben ist zu kurz, um sich zu bereuen.
Ich weiß nicht, was auf diesem neuen Weg passiert, aber ich bin glücklich. Mit Angst und Unsicherheit, ja, aber ich lasse nicht zu, dass das mein Leben bestimmt.
Und ich hoffe, dass mein Sohn von mir lernt, immer für seine Träume zu kämpfen und nie aufzugeben.
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