You can always start over – Malin Legters

Aber wie ist das, wenn man dann wirklich komplett neu startet?

Ich habe mir diese Frage schon immer gestellt, aber dass sie so sehr meine Realität wird, hätte ich nie gedacht. Innerhalb von zwei Monaten hat sich meine ganze Welt auf den Kopf gestellt – von 0 auf 100.

Im Grunde hat sich mein Leben lang ein Muster durchgezogen. Ich möchte aber da beginnen, wo alles ernst wurde. Ich war 15 Jahre alt und hatte meine erste richtige Beziehung. Freunde hatte ich kaum, aber ich war nie der Mensch für viele Freunde und Cliquen. Für mich spielte meine Mutter immer eine wichtige Rolle in meinem Leben, ich habe sie schon immer bewundert.

Meine Eltern haben sich zwei Jahre zuvor getrennt und sich auf ein Wechselmodell geeinigt. Das heißt: Eine Woche war Mama bei uns im Haus, dann eine Woche Papa. Das stellt man sich jetzt vielleicht ganz toll vor, ist aber die reinste Hölle. Aus diesem Grund kam die Entscheidung, dass mein Vater komplett auszieht.

Zuhause: zwei jüngere Geschwister, kaum Kontakt zum Vater, eine alleinerziehende Mutter, eine nicht gerade glückliche Beziehung und keine Freunde. Das war mein Alltag. Und ich wusste: Es ändert sich nichts, wenn sich nichts ändert.

Ein halbes Jahr zuvor ist ein enger Freund von mir gestorben. Das war der Punkt, an dem ich anfing, alles zu hinterfragen. Bin ich gerade wirklich glücklich – oder nur, weil andere sagen, dass ich glücklich sein muss? Will ich das eigentlich? Warum läuft es gerade so und nicht besser?

Trauer macht Dinge mit Menschen, die ich nicht erklären kann.

Mein Abitur habe ich wirklich gut geschafft. Mein Ausbildungsbetrieb war mir direkt klar, und ich wurde angenommen. Das war ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Noch habe ich zuhause gewohnt. Ich merkte, dass meine Beziehung am Ende ist, und ich brauchte eine Veränderung. Ich brauchte mich zurück. Aber wie kommt man dahin, wenn man drei Jahre lang immer in derselben Situation steckt?

Leben im Dunkeln. Immer freundlich sein. Warten auf Bewegung. Hoffen, man wird eingeladen.

„Die ist immer so nett.“
„Das ist die Freundin von …“
„Mit dir ist es so unkompliziert.“

Ich wusste, was ich zu tun habe: durchziehen.
Das ist noch viel härter, als es sich anhört.

Ich war gerade eine Woche in der Ausbildung, da habe ich mich zusammengerissen. Kopf aus, Mund auf: Ich habe mich getrennt und bin jeden, wirklich jeden einzelnen Tag unterwegs gewesen. Über den Sommer – auch wenn er nicht lange war – habe ich mich wiedergefunden. Ich hatte mich so lange verloren in Freundlichkeit, im Denken und im Bloß-nicht-Reden.

Ganz eng an meiner Seite war immer mein bester Freund. Wir verbrachten immer mehr und intensiver Zeit miteinander – und dann hat es gefunkt. (Vertraut euren Müttern, meine hat es mir vorher gesagt.)

Es lief alles wirklich plötzlich. Wir waren gerade eineinhalb Monate zusammen, als wir ein Angebot für eine Wohnung bekamen. Also: Herz über Kopf – wir ziehen zusammen. Ach ja, ein Auto habe ich mir auch noch spontan gekauft. Aus eigener Tasche.

„Das ist viel zu schnell.“
„Du bist gerade 18.“
„Das wird in die Hose gehen.“
„Noch nie so etwas Dummes gehört.“

Nein. Das ist mein Leben und das bin ich. Ich bin kein Mensch, der lange wartet. Ich bin spontan. Ich mache das, was mein Herz mir sagt – nicht mein Kopf. Alles, was andere gegen meine Entscheidungen sagen, ist für mich ein Grund mehr, es durchzuziehen.

Leben im Höhenflug könnte man es nennen. Aber so bin ich. So war ich schon immer. Und so will ich sein.

Mittlerweile bin ich ich. Das sagt mir meine Mutter, das sagt meine beste Freundin – und das sage ich mir selbst. Und das ist es, was zählt. Nicht, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, sondern ob sie sich richtig anfühlt.

Die Entscheidung, meinen Exfreund zu verlassen, auszuziehen, meine Mutter und meine Geschwister zurückzulassen und meine Welt komplett zu drehen, hat mich geformt – zu mir selbst.

Für andere ist es Comedy. Etwas, worüber man sich den Mund zerreißen kann. Für mich ist es mein Weg.

Jetzt weiß ich: Man kann immer neu anfangen. Komplett. Manchmal dauert es, bis man merkt, dass man es braucht. Aber wenn dieser Moment da ist, gibt es nichts Schöneres.

Ich bin dankbar für alles, was ich gelernt habe:
meinen Mund aufzumachen,
mich nicht zu verstellen,
meine Ängste zu überwinden,
Menschen loszulassen –
aber vor allem: ich selbst zu sein.

„Das ist so krass!“
„Wow, obwohl du so jung bist!“
„Das würde ich mich niemals trauen.“
„Das war früher auch mein Traum.“
„Ich habe zu viel Angst davor.“

Und nein – ich hätte auch jetzt keine Angst, wieder neu anzufangen, wenn ich merke, dass es sich nicht mehr richtig anfühlt.

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