
Veränderung. Hierbei geht es nicht um etwas großes abruptes oder um einen schlagartigen Wandel. Es geht um ein Projekt, eine Art Experiment, welches ich über einige Wochen geführt habe, welches mich tagtäglich begleitet hat.
Wir bekamen die Aufgabe etwas in unserem Alltag anders zu machen und dabei beobachten, wie sich das mit der Zeit auf uns auswirkt. Es ging darum sich am Ende die Fragen zu stellen: Was hat das mit mir gemacht? Was habe ich gelernt?
Ich habe mich für ein Thema entschieden, dass mich seit längerem Interessiert: Luzides Träumen. – also einen Moment im Traum, in dem mir bewusst wird: Ich träume gerade. Das klang am Anfang fast zu verrückt, um wahr zu sein. Aber gerade das hat mich gereizt: Wenn Träume etwas mit dem Unterbewusstsein zu tun haben, dann könnte luzides Träumen ein Weg sein, mehr über mich selbst zu erfahren. Veränderung geht in meinen Augen nämlich häufig damit einher, sich selbst besser kennenzulernen und weiterzuentwickeln. Nur durch Veränderung kann man neue Erfahrungen sammeln. In den folgenden Wochen möchte ich mich also mit dem Thema auseinandersetzten und es schaffen, einen Klartraum zu haben..
Was ist luzides Träumen überhaupt?
Luzides Träumen (auch „Klarträumen“ genannt) bedeutet, dass man während eines Traums erkennt, dass man träumt. Man ist dann nicht einfach nur „passiv“ im Traum, sondern hat einen Moment von Klarheit. Man träumt bewusst. Manche Menschen können in Klarträumen sogar aktiv Entscheidungen treffen: Sie schauen sich bewusst um, verändern Dinge oder stellen Fragen. Ist man darin geübt sind einem keine Grenzen gesetzt und man kann alles tun was man will.
Warum ist das überhaupt möglich? Träume entstehen in einer Phase des Schlafs, in der unser Gehirn extrem aktiv ist, aber anders als im Wachzustand. Gefühle, Bilder, Erinnerungen und Gedanken werden gemischt. Manchmal wirkt das total chaotisch, manchmal aber auch sehr real. Luzides Träumen ist so etwas wie eine Brücke: Der Körper schläft, aber ein Teil des Bewusstseins wird wach.
Viele verbinden Klarträume mit „Abenteuer“ oder „Superkräfte“, aber mich hat etwas anderes daran interessiert: das Unterbewusstsein. Träume können Ängste, Wünsche oder Stress zeigen – nicht immer direkt, eher in Bildern. Für mich war die Frage: Kann ich durch bewusstes Träumen mehr über mich herausfinden? Nicht weil Träume automatisch eine perfekte Wahrheit sind, sondern weil sie oft Dinge zeigen, die man tagsüber verdrängt oder übergeht.
Worum ging es im Projekt „Veränderung“?
Die Idee des Projekts ist es, über Wochen kleine Gewohnheiten zu verändern und den Effekt zu beobachten. Das ist eigentlich eine sehr realistische Art von Veränderung: Nicht einmal alles umkrempeln, sondern kleine Schritte machen – und dranbleiben. Veränderung passiert häufig nicht auf einen Schlag, sondern in Prozessen. Es geht um Geduld, Achtsamkeit und Akzeptanz. .
Meine Methode: Was ich im Alltag verändert habe
Nur wenige Leute träumen regelmäßig klar, ohne sich jemals bewusst damit befasst zu haben. Es gibt einige Methoden die man anwenden kann, um das luzide träumen zu erlernen.
1) Realitätschecks
Ein Realitätscheck ist eine kleine „Prüfung“, die man am Tag macht, um sich an die Frage zu gewöhnen: Ist das gerade real oder ein Traum? Das klingt erstmal sinnlos, aber der Trick ist: Wenn man es tagsüber oft genug macht, macht man es irgendwann auch im Traum – und dann merkt man: Moment, das ist nicht echt.
Ich habe mir angewöhnt, mehrmals am Tag bewusst innezuhalten. Zum Beispiel, wenn ich durch eine Tür gegangen bin, wenn ich mein Handy in die Hand genommen habe oder einfach, wenn ich kurz Zeit hatte. Ich habe dann kurz überprüft: Bin ich wirklich hier? Ergibt alles Sinn?
Allein dadurch merke ich, dass sich etwas verändert: Ich bin öfter kurz „wach“ im Kopf, statt alles automatisch zu machen. Man merkt erst, wie viel man auf Autopilot lebt, wenn man anfängt, bewusst kleine Stopps einzubauen.
Außerdem zähle ich regelmäßig meine Finger, oder halte mir die Nase zu und atme dann aus. Das sind kleine Abläufe die ich 5-15 mal in meinen Alltag mit eingebaut habe, bis sie schließlich zur Gewohnheit wurden. Denn genau dass ist das Ziel. Sich so an diese Abläufe zu gewöhnen, dass sie auch in Träumen abgerufen werden. Es ist nämlich so, dass ein Traum oft leicht verzerrt ist, bzw. nicht immer ganz realitätsnah. Das liegt daran, dass das Gehirn im Traum eben keine eins zu eins Kopie der realen Welt schaffen kann.
Würde man dann also im Traum seine Finger zählen wären es höchst wahrscheinlich nicht genau 10 Finger und würden man sich die Nase zuhalten könnte man zum Beispiel trotzdem atmen. Genau das sind solche Trigger durch die man sein Bewusstsein erlangen kann. Man merkt praktsich, dass etwas seltsam ist und realisiert, dass man träumt.

2) Traumtagebuch
Das Traumtagebuch war wahrscheinlich der wichtigste Teil. Direkt nach dem Aufwachen habe ich notiert, woran ich mich erinnern konnte: Bilder, Gefühle, Orte, Personen, so detailliert wie möglich. Am Anfang waren das manchmal nur ein paar Stichpunkte. Aber mit der Zeit wurde es mehr.
Das Spannende war: Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass meine Traumerinnerung besser wird. Träume waren nicht mehr „weg“, sobald ich die Augen geöffnet habe. Und ich habe Muster erkannt: bestimmte Situationen, bestimmte Stimmungen, wiederkehrende Themen. Das hat mich überrascht, weil ich davor gedacht habe, ich träume „nicht so viel“ – dabei habe ich es einfach nur nie festgehalten.
Woche für Woche: Was sich verändert hat
Die ersten Tage waren etwas enttäuschend. Ich habe Realitätschecks gemacht, ein Tagebuch geführt – und trotzdem hatte ich keinen Klartraum. Ich dachte kurz: Vielleicht klappt das bei mir einfach nicht. Aber ich habe gemerkt, dass das Projekt nicht nur „Ziel erreichen“ bedeutet, sondern auch, zu beobachten, was unterwegs passiert.
Mit der Zeit wurden meine Träume jedoch klarer und vor allem häufiger. Ich konnte mich an mehr Details erinnern. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich wäre näher dran: Ich habe im Traum Dinge erlebt, die sich so real angefühlt haben, dass ich beim Aufwachen kurz verwirrt war. Trotzdem war ich nie an dem Punkt, dass ich wusste, dass ich träume.
Und dann kam tatsächlich der Moment, auf den ich hingearbeitet habe: Nach ungefähr zwei bis drei Wochen hatte ich einen kurzen Klartraum. Er war nicht lang, und nicht besonders spektakulär, aber es war eine so aufregende Erfahrung wie ich sie lange nicht mehr erlebt habe–Für mich war das ein echter Erfolg, weil es zeigt, dass kleine Veränderungen im Alltag wirklich etwas bewirken können.
Der Traum
Da Klartraum entstand während ic einen Powernap hatte. Bevor ich mir über meinen Traum bewusst war, saß ich zunächst in meinem Zimmer an meinem Schminktisch. Ich schaue in die andere Ecke meines Zimmers wo mein Klavier steht. Alles normal. Vor dem Klavier stand jedoch ein Napf und ich sehe, dass mein Hund daraus frisst. Auch an dem Punkt habe ich nicht realisiert, dass mein Hund eigentlich nicht in meinem Zimmer frisst. Bis mir plötzlich auffällt: Mein Hund lebt gar nicht mehr. In dem Moment hebe ich automatsich meine Hände und Zähle meine Finger. Ich hab eine das „Schere“-Zeichen mit beiden Händen gemacht. Das schien mir aber auch nich zu normal, also schaue ich kurz hoch und dann wieder runter auf meine Hände. Plötzlich sehe ich alle meine Finger doppelt. Fast genau so, wie auf dem Bild oben Das war der Moment indem ich abrupt mein Bewusstsein erlange. Ich bin dann erstmal aufgestanden und durch mein Zimmer zu meinem Hund geflogen. Dann kam meine Mama ins Zimmer. Ich habe mich nicht getraut sie von nahem anzuschauen, weil ich Angst hatte, dass ihr Gesicht sich dann verzerrt oder andere seltsame Dinge passieren. Ich war allgemein sehr skeptisch. Es ist nämlich so, dass man den Traum zwar steuern kann, aber oftmals nicht kontrollieren kann, welche Szenen zustande kommen. Wie zum Beispiel, dass meine Mama in mein Zimmer gekommen ist. Daraufhin bin ich durch mein Haus gelaufen. Einmal wollte ich das Licht anmachen, aber der Lichtschalter ist stattedessen abgefallen. Irgendwann ist der Traum dann langsam verblasst und ich dachte ich läge wieder wach in meinem Bett. Dann bin ich aber wirklich aufgewacht und habe bemerkt, dass mein erste „Aufwachen“ auch noch Teil des Traums war.
Allgemein war der Traum teilweise etwas blass und ich hatte die ganze zeit das gefühl ich könnte jederzeit aufwachen. Dadurch das ich mich konzentrieren musste im Traum zu bleiben konnte ich schwer richtig Dinge ausprobieren. Trotzdem war es eine unfassbar spannende Erfahrung.
Ungefähr so war meine Sicht im Traum:

Auswirkungen auf meinen Alltag
Das Projekt hat nicht nur meine Träume verändert, sondern auch mich im Wachleben.
Ich bin um einiges achtsamer geworden. Durch Realitätschecks habe ich mich öfter selbst „zurückgeholt“. Nicht alles lief nur nebenbei. Ich habe Momente bewusster wahrgenommen. Das klingt klein, aber es macht einen Unterschied – vor allem an stressigen Tagen.
Ich habe außerdem tatsächlich ein besseres Verständnis für meine Gefühle entwickelt. Träume sind manchmal wie ein Spiegel, nur in einer anderen Sprache. Ich habe durch das Tagebuch gemerkt, welche Themen mich beschäftigen. Dabei habe ich vor allem von einem Thema mehrmals in verschiedenen Variationen geträumt, womit ich mich im Alltag nur noch wenig beschäftigt hatte.
Ich habe auch gelernt, dass Veränderung Zeit braucht. Und dass Fortschritt nicht immer sichtbar ist. Eine Woche ohne Klartraum heißt nicht, dass alles umsonst war – weil sich trotzdem im Hintergrund etwas aufbaut: Routine, Bewusstsein, Erinnerung.
Denn das Projekt hat mich näher an mich selbst gebracht. Es hat mir gezeigt, dass im Menschen mehr passiert als das, was man nach außen sieht. Es gibt eine innere Welt: Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Zweifel, Hoffnungen.
Fazit: Was ich mitgenommen habe
Am Ende habe ich nicht nur einen kurzen Klartraum erlebt, sondern vor allem verstanden, dass Veränderung nicht laut sein muss. Meine Veränderung war still: Notizen, kleine Checks, ein anderes Bewusstsein. Aber sie hat wirklich etwas bewirkt.
Ich habe gelernt, dass Träume nicht immer bedeutungslos sind, sondern Hinweise darauf geben können, was in mir vorgeht. Kleine Routinen können große Effekte haben, wenn man sie konsequent macht.
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