Im Rahmen unseres Berufsschulprojekts „Veränderung“ hatten wir die Aufgabe, über mehrere Wochen eine Kleinigkeit in unserem Alltag bewusst anders zu machen. Ziel war es, nicht nur oberflächlich etwas zu verändern, sondern wirklich darauf zu achten, wie sich diese Entscheidung auf unser tägliches Leben auswirkt. Wir sollten beobachten, reflektieren und ehrlich festhalten, was sich verbessert, was schwieriger wird und was wir aus dieser Erfahrung mitnehmen. Ich habe mich für das Thema „Überkonsum“ entschieden, weil ich gemerkt habe, dass dieses Thema in meinem eigenen Alltag eine größere Rolle spielt, als ich zuerst gedacht habe.
Aber was ist Überkonsum überhaupt? Unter Überkonsum versteht man, wenn man mehr konsumiert, als man eigentlich braucht. Das kann sich auf Kleidung, Technik oder Lebensmittel beziehen, aber auch auf digitale Medien wie Social Media, Streaming oder Online-Shopping. Oft kauft oder nutzt man Dinge nicht, weil man sie wirklich braucht, sondern aus Gewohnheit, Langeweile oder weil man von Werbung und Trends beeinflusst wird. Gerade durch soziale Medien bekommt man ständig neue Produkte angezeigt, sieht Influencer mit neuen Klamotten oder technischen Geräten und hat schnell das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man nicht mithält. Konsum wird heutzutage oft mit Erfolg, Glück oder einem „guten Leben“ verbunden. Dadurch merkt man manchmal gar nicht mehr, wie selbstverständlich es geworden ist, ständig etwas Neues zu kaufen oder Inhalte zu konsumieren.
Im Projekt „Veränderung“ ging es genau darum, so ein automatisches Verhalten zu hinterfragen. Wir sollten uns bewusst machen, was wir täglich tun, ohne darüber nachzudenken, und versuchen, eine Gewohnheit gezielt zu verändern. Mir ist aufgefallen, dass ich häufig unnötig Geld ausgebe – sei es für Snacks unterwegs, für Kleidung im Sale oder für Dinge, die ich online bestelle, obwohl ich sie nicht dringend brauche. Außerdem verbringe ich viel Zeit am Handy, oft einfach aus Langeweile. Deshalb habe ich mir vorgenommen, meinen Konsum für mehrere Wochen bewusst zu reduzieren.
Konkret habe ich mir ein paar feste Regeln gesetzt. Erstens: keine spontanen Käufe mehr. Wenn ich etwas kaufen wollte, musste ich mindestens zwei Tage darüber nachdenken. Zweitens: keine unnötigen Online-Bestellungen. Drittens: bewusster einkaufen, vor allem bei Lebensmitteln, damit nichts weggeschmissen wird. Und viertens: meine tägliche Bildschirmzeit reduzieren, besonders auf Social Media. Ich wollte nicht komplett auf alles verzichten, sondern einfach bewusster entscheiden, ob ich etwas wirklich brauche oder ob es nur ein Impuls ist.
Am Anfang war das schwieriger, als ich gedacht hatte. Besonders beim Einkaufen habe ich gemerkt, wie automatisch manche Entscheidungen ablaufen. Man sieht ein Angebot und greift sofort zu, obwohl man das Produkt eigentlich gar nicht geplant hatte. Auch bei Social Media war es ungewohnt, das Handy öfter wegzulegen. Oft greift man aus reiner Gewohnheit danach, ohne konkreten Grund. In den ersten Tagen habe ich richtig gemerkt, wie stark diese Gewohnheiten sind.
Nach ein bis zwei Wochen wurde es jedoch leichter. Ich habe angefangen, genauer zu überlegen, bevor ich Geld ausgebe. Dadurch habe ich gemerkt, dass ich vieles gar nicht wirklich brauche. Besonders bei Kleidung oder kleinen Online-Bestellungen wurde mir klar, dass ich oft nur aus Langeweile oder wegen eines Rabatts gekauft habe. Durch die „Zwei-Tage-Regel“ hat sich vieles automatisch erledigt, weil ich nach kurzer Zeit kein echtes Interesse mehr daran hatte. Das hat mir gezeigt, wie stark Impulskäufe von kurzfristigen Gefühlen abhängen.
Auch bei Lebensmitteln hat sich etwas verändert. Ich habe bewusster geplant, was ich einkaufe, und mehr darauf geachtet, Reste zu verwerten. Dadurch wurde weniger weggeschmissen, was nicht nur Geld spart, sondern auch besser für die Umwelt ist. Mir ist bewusst geworden, wie selbstverständlich es oft ist, Essen wegzuwerfen, obwohl viele Ressourcen für die Herstellung benötigt wurden.
Die Reduzierung meiner Bildschirmzeit hatte ebenfalls eine spürbare Auswirkung. Ich hatte plötzlich mehr Zeit für andere Dinge, zum Beispiel für Sport, Lesen oder einfach Gespräche mit Familie und Freunden. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich mich weniger gestresst fühle, wenn ich nicht ständig neue Informationen, Bilder und Werbung konsumiere. Social Media kann inspirierend sein, aber es erzeugt auch Druck. Wenn man weniger Zeit dort verbringt, vergleicht man sich automatisch weniger mit anderen.
Eine weitere wichtige Erfahrung war, dass weniger Konsum nicht gleich Verzicht bedeutet. Am Anfang hatte ich die Sorge, dass ich mich eingeschränkt fühlen würde. Stattdessen habe ich mich freier gefühlt. Ich hatte das Gefühl, selbst bewusster zu entscheiden, statt von Gewohnheiten oder Werbung gesteuert zu werden. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich am Ende des Monats mehr Geld übrig hatte. Das hat mir gezeigt, wie viel man im Alltag nebenbei ausgibt, ohne es richtig wahrzunehmen.
Überkonsum ist jedoch nicht nur ein persönliches Thema, sondern auch ein gesellschaftliches Problem, dass heutzutage viele Menschen begleitet. Unsere Gesellschaft ist stark auf Wachstum und Konsum ausgerichtet. Ständig gibt es neue Trends, neue Produkte und neue Angebote. Besonders junge Menschen stehen unter Druck, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Marken, Technik und Mode spielen eine große Rolle im sozialen Umfeld. Durch mein Projekt habe ich gelernt, diese Einflüsse kritischer zu sehen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Projekt „Veränderung“ für mich eine lehrreiche Erfahrung war. Es hat mir gezeigt, wie viele Entscheidungen ich sonst unbewusst treffe. Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse besser einzuschätzen und nicht jedem Impuls nachzugeben. Ich habe Geld gespart, meine Zeit sinnvoller genutzt und mich insgesamt bewusster gefühlt. Ich nehme aus diesem Projekt mit, dass kleine Veränderungen im Alltag einen großen Unterschied machen können. Man muss nicht sein ganzes Leben umstellen, um etwas zu bewirken – manchmal reicht es schon, bewusster zu handeln.
Dieses Projekt hat mir gezeigt, dass Veränderung immer bei einem selbst beginnt. Auch wenn es nur eine kleine Gewohnheit ist, kann sie langfristig viel bewirken – für einen selbst, aber auch für die Umwelt und die Gesellschaft.
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