Früher stand ich jeden Morgen vor dem Spiegel und hatte das Gefühl, ich müsste mich selbst bewerten. Als würde mein Aussehen darüber entscheiden, wie der Tag wird. Ich zog mein Shirt glatt, zupfte an meinen Haaren herum und suchte nach Dingen, die nicht passten. Irgendetwas fand ich immer. Zu dies, zu das, nicht genug von irgendwas.
Sehe ich gut aus? Sehe ich genauso gut aus wie die anderen? Oder sehe ich wieder komisch aus?
Diese Fragen gehörten irgendwie zu meinem Alltag, als wären sie ein Teil von mir. Als würde mein Kopf sie automatisch abspielen, noch bevor ich überhaupt richtig wach war.
Schon bevor ich das Haus verließ, machte ich mir einen Kopf darüber, was andere über mich denken könnten. Ich überprüfte mein Outfit mehrmals, ging noch einmal ins Bad, schaute in den Spiegel und drehte mich hin und her. Wenn ich neue Kleidung trug oder meine Haare anders gemacht hatte, fühlte ich mich sofort unsicher.
Was, wenn sie denken, das steht mir nicht? Was, wenn sie mich komisch anschauen?
Oft bildete ich mir Blicke ein, obwohl sie wahrscheinlich gar nicht existierten. Trotzdem fühlte es sich an, als würde jeder kleine Schritt von mir beobachtet werden.
In der Schule war es besonders schlimm. Ich verglich mich ständig mit anderen Mädchen, ohne es wirklich zu wollen. Es passierte einfach. Wie sie lachten, wie sie redeten, wie selbstbewusst sie wirkten. Manche gingen durch die Flure, als würden sie genau wissen, wer sie sind und wohin sie gehören. Ich dagegen fühlte mich oft fehl am Platz, auch wenn ich eigentlich dazugehört habe.
Ich fragte mich, warum es bei mir nie so leicht aussah. Warum ich immer überlegen musste, was ich sage, wie ich sitze, wie ich schaue. Selbst kleine Dinge, wie meine Stimme oder mein Lächeln, fühlten sich manchmal falsch an. Ich hatte Angst, zu leise zu sein, aber genauso Angst, zu laut zu sein. Es war, als würde ich ständig versuchen, die richtige Version von mir selbst zu finden.
Und sobald ich allein war, scrollte ich durch mein Handy. Bild für Bild, Story für Story. Menschen mit perfekten Gesichtern, perfekten Körpern, perfekten Leben zumindest sah es so aus. Ich wusste eigentlich, dass vieles davon gestellt war, bearbeitet, gefiltert. Aber trotzdem verglich ich mich. Und jedes Mal fühlte ich mich ein Stück kleiner.
Warum sehe ich nicht so aus? Warum fühle ich mich nicht so sicher?
Diese Gedanken machten alles nur schlimmer.
Ich dachte lange, dass sich das nie ändern würde. Dass ich immer diese Stimme im Kopf haben würde, die mir sagt, dass ich nicht genug bin. Dass ich mich immer fragen würde, ob andere mich akzeptieren oder ob ich mich noch mehr anpassen muss. Ich dachte, Unsicherheit wäre einfach ein Teil von mir, den ich nie loswerde.
Nicht von heute auf morgen und nicht auf einmal. Es war ein langsamer Prozess, den ich zuerst gar nicht richtig bemerkt habe. Seitdem ich einen Freund habe, hat sich etwas in mir verändert. Nicht, weil er mich verändert hat oder weil ich mich für ihn anders gemacht habe. Sondern weil ich durch ihn gelernt habe, mich mit anderen Augen zu sehen.
Er sieht mich an, ohne nach Fehlern zu suchen. Ohne mich zu vergleichen. Für ihn bin ich nicht „zu leise“, nicht „zu komisch“, nicht „nicht genug“. Ich bin einfach ich, mit all meinen Seiten. Und das reicht.
Zum ersten Mal habe ich gemerkt, wie sich echte Akzeptanz anfühlt. Nicht dieses „Du bist okay, wenn…“, sondern einfach „Du bist okay“.
Langsam habe ich aufgehört, mich so sehr zu vergleichen. Nicht, weil alle Unsicherheiten verschwunden sind, sondern weil sie nicht mehr mein ganzes Denken bestimmen. Ich trage jetzt das, worin ich mich wohlfühle, nicht das, was gerade angesagt ist oder anderen gefallen könnte. Wenn mir etwas gefällt, dann ziehe ich es an. Punkt.
Meine Haare müssen nicht perfekt sitzen. Mein Lächeln darf schief sein. Und meine Tage dürfen unterschiedlich sein.
Mir ist es egal geworden, was andere Leute denken. Und nein, das bedeutet nicht, dass mir alles komplett gleichgültig ist. Ich habe immer noch Zweifel, manchmal sogar schlechte Tage. Aber sie kontrollieren mich nicht mehr. Ich lasse mich nicht mehr von jeder Meinung verunsichern. Ich mache das, was mir Spaß macht, und gehe meinen eigenen Weg.
Ich habe gelernt, dass ich niemandem etwas beweisen muss. Nicht in der Schule, nicht auf Social Media, nicht im echten Leben. Ich muss nicht so sein wie andere, um dazuzugehören. Ich darf so sein, wie ich bin.
Mit der Zeit bin ich viel selbstbewusster geworden. Ich stehe zu mir, zu meinen Entscheidungen und zu dem Menschen, der ich geworden bin. Ich lasse mir nicht mehr einreden, dass ich mich kleiner machen muss, um akzeptiert zu werden. Ich weiß jetzt, dass ich genug bin, so wie ich bin.
Heute stehe ich manchmal wieder vor dem Spiegel. Aber es fühlt sich anders an. Ich suche nicht mehr nach Fehlern. Ich frage mich nicht mehr, ob ich reiche.
Ich schaue mich an und denke:
Das bin ich.
Und genau das fühlt sich gut an.
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